Von der Tochter ausgehalten

Als ich mich am Montagmorgen von meiner Tochter verabschiedete, um zur Arbeit zu gehen, stimmte sie ein großes Wehklagen an: “Ich möchte aber, daß Du zuhause bleibst. Geh doch nicht zur Arbeit und verbring den Tag mit mir!” Vor einigen Wochen hatte ich ihr schon erklärt, daß ich nicht zuletzt arbeiten gehe, weil ich dafür Geld erhalte, von dem wir unser Haus, Heizung, Licht, Essen, Auto, Bücher, Urlaub, Kleidung usw. bezahlen.

Als ich diesmal also nur kurz daran erinnerte, daß ich des Geldes wegen leider zur Arbeit müsse, wandte die kleine Flunky sich zielstrebig um, lief zu ihrem Spielsachenregal und holte ihr kleines, gelbes Sparschwein. Das mit Kleingeld etwa halb gefüllte Plastiksparschwein hielt sie mir wortlos und mit ernstem Blick hin. Nach einem Moment verstand ich: Dank Flavias Geistesgegenwart hatte ich nun Geld – warum also noch zur Arbeit gehen? Vielleicht würde ich auch an allen folgenden Tagen zuhause bleiben können!

Aber, ach – leider war es nicht genug Geld (selbst als die Kleingeldschale auf der Flurkommode bemüht wurde), um mich in den Stand finanzieller Unabhängigkeit zu versetzen. Und so mußte ich an diesem schönen Tag trotz Flavias lieber Bemühungen an meinem Arbeitsplatz erscheinen. Es war ein guter Arbeitstag, aber noch lieber hätte ich ihn, von meiner Tochter ausgehalten, mit ihr zuhause oder in der Ahrtherme verbracht.

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